Vortrag von Marcel Brüntrup: Schwangere polnische Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder im nationalsozialistischen „Volkstumskampf“

Kategorie: Museum
Vortrag von Marcel Brüntrup: Schwangere polnische Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder im nationalsozialistischen „Volkstumskampf“
Der Vortrag untersucht die Behandlung schwangerer polnischer Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder im Kontext der nationalsozialistischen „Germanisierungs“- und Bevölkerungspolitik. Um die Geburt „fremdvölkischer“ Kinder im „Altreich“ zu verhindern, wurden schwangere Polinnen in den ersten Kriegsjahren von ihren Arbeitsorten in ihre Herkunftsgebiete zurückgeführt. Zugleich zielten verschiedene bevölkerungspolitische Maßnahmen in den eingegliederten Ostgebieten darauf ab, „rassisch unerwünschte“ Geburten systematisch zu reduzieren. Kinder hingegen, die von NS-Rasseexperten als „gutrassig“ eingestuft wurden, sollten zur „Eindeutschung“ in spezielle Heime und ausgewählte deutsche Pflegefamilien überführt werden. Besondere Berücksichtigung findet der Reichsgau Wartheland, der in der NS-Bevölkerungspolitik eine Vorreiterfunktion einnahm und dessen Maßnahmen auch im benachbarten Reichsgau Danzig-Westpreußen rezipiert und umgesetzt wurden.
Der Vortrag zeigt, wie die Verbindung aus ökonomischer Ausbeutung, rassistischer Ideologie und bevölkerungspolitischen Zielsetzungen die reproduktive Selbstbestimmung polnischer Frauen systematisch einschränkte und die Zukunft ihrer Kinder rassenpolitischen Erwägungen unterwarf.
Dr. Marcel Brüntrup lebt und arbeitet in Münster. Er forscht zu NS-Zwangsarbeit und Geschlechtergeschichte. 2024 erschien seine Dissertation „Zwischen Arbeitseinsatz und Rassenpolitik. Die Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen und die Praxis der Zwangsabtreibungen im Nationalsozialismus“ im Wallstein Verlag.
Die Veranstaltung ist Teil des neuen Formates „Westpreußen divers“ des WLM. In halbjährlichen Vorträgen, Lesungen, Workshops und szenischen Darbietungen werden bisher vernachlässigte Themen und Perspektiven der deutsch-polnischen Geschichte in den Blick genommen.
Bildnachweis:© Bundesarchiv, Bild 146-1994-040-15A / Fotograf(in): o. Ang.